Kinder und Medien! Ein Gastbeitrag

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Allgemein

So viele Fragen für eine Mutter!

Als Mutter von drei Kindern sehe ich mich oft mit Fragen wie diesen konfrontiert:
Wieviel Zeit sollten die Kinder vor Geräten verbringen?
Was ist sinnvoll? Was ist zu viel?
Was möchte ich, als Mutter, meinen Kindern ermöglichen und was möchte ich ihnen gönnen?
Wie schaffe ich es, im Alltag, mit Beruf und Verpflichtungen, ein gesundes Maß zu schaffen und wie halte ich dieses im Gleichgewicht, sodass keines der Kinder sich benachteiligt fühlt?
Wann verlieren die Kinder sich in nicht-realen Welten oder wann verliert die Außenwelt an Gewicht, bzw. an Wert?

Das Gefühl der Leere

Wenn ich da so in mich reinfühle, empfinde ich Playstation, Handy, Tablet und Co als nicht förderlich für den Entwicklungsprozess meiner Kinder, abgesehen von den vielen wissenswerten Informationen, die uns lernen und verstehen lassen. Mir wäre es am liebsten, sie wären draußen, an der Luft, in den Wäldern, am See oder mit ihren Freunden unterwegs. Wahrscheinlich stehe ich damit nicht alleine.
Doch aus dem täglichen Leben der Kinder sind ihre Geräte nicht mehr wegzudenken.
Sie sind Statussymbol, Lebensart und Nachrichtenübermittler, Zeitverbringer, Up-to-Date-Halter und das Sprachrohr Nummer 1 in die Außenwelt.
Es scheint, als habe sich die heutige Zeit verwandelt. Verwandelt in ein technikorientiertes Leben, das keinen Freiraum lässt für Langeweile, Nachdenken oder dem Finden des eigenen Talentes. Selbst soziale Kontakte werden irgendwann zu müßig und man bleibt dann doch lieber zu Hause und zockt, macht ein neues Video oder schaut nur(!) noch eine Folge der neuen Staffel von….
Abgesehen davon höre ich auch oft: “Selbst wenn sie raus wollen, die anderen Kinder hängen auch alle zu Hause vor ihren Geräten, draußen gibt es keine Kinder mehr.”

Wie sieht es da bei mir selbst aus?

Ja, ich sitze auch am Smartphone, schreibe über WhatsApp, bestelle über amazon.de, sehe mir gerne meine Lieblingsserie an oder versinke mal auf YouTube. Dazu kommt, dass ich die Hälfte meines Tages am PC arbeite. Ich kann also nicht behaupten, dass ich da asketisch lebe.
Doch ich gehe auch sehr gerne in die Natur, treffe meine Freunde am liebsten live und habe zu Hause nicht das Bedürfnis den restlichen Tag auch noch am PC zu sitzen.

Wenn ich meinen Tag mit dem der Kinder vergleiche, fällt auf, dass sie vormittags, im Gegensatz zu mir, in der Schule und im Kindergarten sind, also nicht vor einem Gerät sitzen.
Wenn sie nach Hause kommen, wollen also alle drei am liebsten gleich mal vor irgendein Gerät.
Ehrlich gesagt, finde ich es nicht gut, wenn sie gleich alles in die Ecke pfeffern und drauflos zocken oder glotzen. Andererseits, wenn ich keine Kinder hätte, wäre die Verlockung, nach dem Arbeitstag vor die Glotze zu hüpfen, schon manchmal da.

Also, was soll man tun, um mit gutem Gewissen den Medienkonsum (fast hätte ich Wahn geschrieben) in den Alltag zu integrieren?

Da Ratschläge bekanntlich auch Schläge sind, möchte ich diese hier gerne vermeiden. Stattdessen möchte ich lieber erzählen, wie es bei uns zu Hause abläuft.
Die beiden Großen (Anfang Teenager) haben pro Tag 2 Stunden Zeit, am PC zu verbringen. Sie haben seit der 5. Klasse ein Smartphone und der Große hat noch ein Tablet. Die Kleine bevorzugt den Fernseher (Wir haben ganz oldschool “nur” einen Fernseher im Wohnzimmer), aber sie spielt auch gerne mal ein Spiel auf dem Handy.

Zwei Stunden empfindest Du als lang?

Ich auch, aber frag mal die Kinder: “ Die anderen dürfen viel länger!” “Keiner darf nur so kurz!” “Da schaff ich ja niemals das Level!” “Das ist sooo unfair!”
Hinzu kommen noch Aussagen wie: “ Immer darf der/die als Erstes!”, “Was soll ich jetzt machen? Mir ist soo langweilig!”, “Schule nervt!” und so weiter und so weiter.
Ich bin also ganz froh, dass mein Partner die Zeitsperre auf den Geräten eingestellt hat.

Aber wir haben auch einen Tag am Wochenende, an denen die Großen länger an den PC dürfen. Wenn gestritten wird, darf keiner, deshalb wird sich meistens geeinigt. Ich hatte es auch mal ne Zeit lang so gehalten, dass pro Tag nur einer an den PC darf, immer abwechselnd.
Wir haben außerdem eine Altersbegrenzung, die vor allem bei amazon prime zum Einsatz kommt. Filme und Serien können über der eingestellten Altersbegrenzung nur mit Code angeschaut werden.

Manchmal frage ich mich, wie es wohl wäre, wenn wir all diese Gerätschaften nicht hätten.
Dazu müsste man sich allerdings auch fragen, ob zeitgleich die ganze Welt diese Gerätschaften nicht hätte und wie es wohl dann aussehen würde.

Würden die Kinder dann mehr rausgehen? Ich schätze ja. Würden sie mehr für die Schule machen? Hmm…ich bin nicht sicher. Welche Hobbys hätten sie und welche Freunde? Wahrscheinlich mehr Hobbys und die Freunde wären öfter da, sodass ich sie live kennenlernen würde, was nicht immer der Fall ist. Und auch: Wie viel Zeit hätte ich den ganzen lieben langen Tag, ohne Geräte, die mich kurzzeitig ablenken (ohne Whatsapp, Facebook, Pinterest, Google, amazon,….)? Tja, wahrscheinlich auch merklich mehr Zeit.

Wir sind alle gefragt!

Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass wir Erwachsenen im Grunde genauso viel Zeit an technischen Geräten verbringen. Trotzdem möchte ich nicht, dass meine Kinder zu Online-Zombies mutieren.
Deshalb gehen wir, immer wenn es der Tag zulässt, raus oder zum Wandern, ins Schwimm-/Freibad, zu Freunden oder anderes. Meine Kleine ist dabei am leichtesten zu motivieren, sie geht überall gerne hin, zum Spielplatz, zur Bücherei, zum Einkaufen, Fahrrad fahren, usw. Die Großen sind mittlerweile nicht mehr so leicht zu motivieren, es sei denn, es geht darum etwas mit Freunden zu unternehmen. Meine Tochter geht gerne zum Schlittschuhlaufen, ins Schwimmbad,…eigentlich überall hin wo es Action gibt. Mein Sohn kommt gerne mit zu Freunden, in den Freizeitpark oder zum Klettern. Im Sommer gehen alle gerne zum Baden, an den Fluss oder an den See.
Es gibt also eine Menge an Unternehmungen, die auch außerhalb der Medienwelt stattfinden. Allerdings muss man als Elternteil motivieren, selbst hingehen und auch mal die Kinder mitschleifen. Manchmal ist es am Anfang doof, aber am Ende war es dann doch ein schönes Erlebnis, das Spaß gemacht hat.
Es scheint heute so zu sein, dass wir als Eltern oft den Anstoß geben müssen etwas zu unternehmen. Früher war es zu Hause zu langweilig, sodass die Kinder von selbst gegangen sind.

Heutzutage sind also beide Teile gefragt: Eltern und Kinder.
Wenn wir als Eltern selbst nicht vom PC wegkommen und auch nicht den Anstoß geben, dass Unternehmungen draußen oder mit Familie und Freunden schöner und spannender sein können, dann werden die Kinder sich auch nicht von ihren Geräten trennen…zumindest nicht freiwillig.
Es kann auch schon ein Spieleabend oder Basteltag sein, der alle mal wieder zusammenbringt. Oder wenn das gar nicht geht, mal ein Kinobesuch oder etwas essen gehen? Letzten Monat war ich z.B. mit meiner Tochter und meiner Freundin in der Operette.

Wir haben hier so unendlich viele Möglichkeiten uns zu entfalten und Dinge auszuprobieren… Stattdessen hocken wir alle vor einem Gerät und vernachlässigen die Chance gemeinsam Spaß zu haben.
Auch wenn es etwas Mühe kostet sich aufzuraffen, Du wirst sehen, dass es auch Dir Spaß machen wird und es wird viele Erinnerungen geben, an die Du gerne zurückdenken wirst, oder irgendwann herzhaft über einen misslungenen Tag lachen kannst.
Und es muss nicht immer teuer sein. Mein Budget ist auch begrenzt, vor allem wenn man mehrere Kinder hat, kann ein Ausflug schon mal einiges kosten, das muss aber nicht immer der Fall sein.

Das war´s erstmal von mir. Vielleicht geht es Dir ähnlich oder es ist ganz anders? Es würde mich interessieren, wie Du mit dem Thema Medien umgehst.

Hier geht es zum Beitrag von Jenny über 10 Unternehmungen mit der Familie am Bodensee und im Allgäu.

Viele Grüße
Jenny

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